10. Vorl., Teil I
Einführung in die Theoretische Philosophie, 10. Vorl., Teil I
Hier ist die Analyse des Videotranskripts im Cornell-Notes-Format auf Deutsch:
Einführung in die Theoretische Philosophie, 10. Vorlesung, Teil I
Stichpunkte / Schlüsselbegriffe
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Wiederholung: Erkenntnistheorie & Wahrheitsbegriff 00:00:44
- Traditionelle Wahrheitsdefinition [00:01:05](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=65.7)
- Nicht-epistemischer Charakter der Wahrheit [00:01:35](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=95.1)
- Unterschied: "Für wahr halten" vs. "Wahr sein" [00:02:26](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=146.7)
Probleme der Korrespondenztheorie der Wahrheit 00:03:11
- Problem 1: Die Relata der Korrespondenzrelation [00:03:50](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=230.5)
- "Denken" (Wahrheitsträger) [00:04:21](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=261.8)
- "Sache" (Wahr-Macher) [00:04:47](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=287.0)
- Metaphysischer Realismus als Voraussetzung [00:06:25](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=385.7)
- Trennung von Wahrheitsdefinition und metaphysischer Annahme [00:07:31](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=451.5)
- Problem 2: Was heißt "Übereinstimmung"? [00:09:21](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=561.9)
- Heterogene Dinge [00:10:03](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=603.3)
- Problem 3: Existenzaussagen [00:11:05](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=665.0)
- Beispiel: "Einhörner gibt es nicht" [00:11:27](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=687.1)
- Problem 4: Das Zugriffsproblem [00:13:11](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=791.0)
- Vier Schritte des Problems [00:16:53](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1013.0)
- Wahrheit möglicherweise unerreichbar [00:16:01](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=961.0)
Mögliche Auswege aus den Problemen der Korrespondenztheorie 00:17:46
- Ausweg 1: Skeptizismus [00:18:14](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1094.0)
- Aufgabe des Wahrheitsbegriffs [00:18:24](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1104.9)
- Ausweg 2: Ersetzung des Wahrheitsbegriffs [00:19:31](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1171.0)
- Optimal gerechtfertigter Wissensanspruch [00:19:42](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1182.2)
- Epistemischer Wahrheitsbegriff [00:20:13](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1213.2)
- Konsenstheorie der Wahrheit (Apel) [00:21:33](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1293.1)
- "Im Prinzip unbegrenzt vernünftiger Konsens" [00:21:42](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1302.9)
- Praktikabilität des Konsenses [00:22:21](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1341.0)
- Ausweg 3: Unterscheidung von Wahrheitsdefinition und Wahrheitskriterien (Indikatoren) [00:23:39](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1419.0)
- Beibehaltung der Korrespondenztheorie als Idee [00:24:00](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1440.1)
- Suche nach besten menschenmöglichen Indikatoren [00:25:01](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1501.5)
- Beispiele für Indikatoren [00:26:18](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1578.1)
- Indikatoren garantieren Wahrheit nicht [00:28:01](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1681.7)
- Pragmatischer Ansatz [00:28:21](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1701.9)
Neues Thema: Genese versus Geltung 00:30:17
- Historische Bezeichnungen [00:30:45](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1845.6)
- *Quid iuris* (Geltung) vs. *Quid facti* (Genese) [00:30:52](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1852.1)
- Entdeckungszusammenhang vs. Rechtfertigungszusammenhang [00:31:11](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1871.1)
- Context of Discovery vs. Context of Justification [00:31:17](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1877.3)
- Definitionen [00:31:50](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1910.0)
- Genese (Entdeckungszusammenhang) [00:31:52](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1912.8)
- Geltung (Rechtfertigungszusammenhang) [00:32:14](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1934.4)
- Beispiel: Kekulés Benzolring [00:32:58](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1978.6)
- Entdeckungsgeschichte [00:33:38](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2018.2)
- Rechtfertigung durch Experimente [00:34:27](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2067.3)
- Irrelevanz der Entdeckungszusammenhänge für die Rechtfertigung [00:35:21](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2121.3)
- Politische Dimension der Unterscheidung (Reichenbach) [00:36:15](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2175.8)
- "Deutsche Physik" vs. "Jüdische Physik" [00:36:36](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2196.5)
- Diskreditierung von Behauptungen durch Genese [00:38:05](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2285.4)
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Notizen
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Die 10. Vorlesung beginnt mit einer Begrüßung und der Information über den Ausfall eines Kolloquiumsvortrags. 00:00:12
Der Dozent rekapituliert die bisherige Vorlesung, die in der Erkenntnistheorie und beim Wissensbegriff endete. 00:00:44
Es wird an die traditionelle Wahrheitsdefinition angeknüpft: die Übereinstimmung des Gedankens mit dem einschlägigen Sachverhalt. 00:01:05
Diese Definition geht auf Aristoteles zurück und wird als Adäquationstheorie oder Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet. 00:01:16
Die klassische Formel lautet: "Veritas consistit in adaequatione intellectus et rei" (Wahrheit besteht in der Übereinstimmung von Denken und Sache). 00:01:25
Wahrheit ist in dieser Sicht ein nicht-epistemischer Begriff, d.h., sie ist unabhängig davon, ob sie gewusst wird oder nicht. 00:01:35
Ein Beispiel hierfür ist die Anzahl der Personen im Hörsaal: Die Aussage "Es sind genau 68 Personen im Hörsaal" ist wahr oder falsch, unabhängig davon, ob jemand nachzählt oder es weiß. 00:02:02
Der wesentliche Unterschied liegt zwischen "etwas für wahr halten" (epistemisch, ein Zustand der Person) und "wahr sein" (nicht-epistemisch, unabhängig von Wissenszuständen). 00:02:26
Obwohl die Korrespondenztheorie intuitiv einleuchtend erscheint, hat sie erhebliche Probleme. 00:03:11Problem 1: Die Relata der Korrespondenzrelation. Die Theorie spricht von einer Relation zwischen zwei Elementen: dem "Denken" (Wahrheitsträger, z.B. Satz, Proposition) und der "Sache" (Wahr-Macher, z.B. Sachverhalt, truth-condition). 00:03:50
Es ist schwierig zu definieren, was diese Relata genau sind. 00:05:15
In der gegenwärtigen Philosophie wird die Adäquationstheorie oft mit dem metaphysischen Realismus verbunden, der eine bewusstseinsunabhängige Realität voraussetzt. 00:06:25
Der Dozent kritisiert diese Verknüpfung als "unglückliches Päckchen" und plädiert dafür, die Wahrheitsdefinition von der Frage nach der Beschaffenheit der "Sache" (ob bewusstseinsunabhängig oder nicht) zu trennen. 00:06:50
Beispiel: Die Aussage "Die Wiese ist grün" – die "Grünheit" der Wiese ist nicht unbedingt eine bewusstseinsunabhängige Realität. 00:07:10
Problem 2: Was heißt "Übereinstimmung"? Wenn Denken und Sache so heterogen sind (z.B. ein Gedanke im Kopf und eine Realität draußen), ist unklar, was "Übereinstimmung" genau bedeuten soll. 00:09:21
Ein Vergleich mit zwei Pullovern, deren Farben übereinstimmen, ist verständlich, aber bei Denken und Sache ist dies nicht so offensichtlich. 00:10:16
Problem 3: Existenzaussagen. Wie stimmt eine wahre Aussage wie "Einhörner gibt es nicht" mit einem Sachverhalt überein? Es gibt keinen Sachverhalt der Nicht-Existenz eines Einhorns, mit dem die Aussage korrespondieren könnte. 00:11:07
Problem 4: Das Zugriffsproblem. Um die Übereinstimmung festzustellen und die Wahrheit zu überprüfen, müsste man auf den relevanten Sachverhalt zugreifen. 00:13:11
Sobald man jedoch auf den Sachverhalt zugreift, wird dieser bereits im Denken repräsentiert. 00:13:41
Die Korrespondenztheorie verlangt aber eine Übereinstimmung mit dem Sachverhalt selbst, nicht mit dem Sachverhalt, wie er sich unserem Zugriff präsentiert. 00:14:01
Dies führt zu einem Dilemma: Man muss auf den Sachverhalt zugreifen, um die Wahrheit zu überprüfen, aber dieser Zugriff verändert den Sachverhalt in Bezug auf seine "Reinheit" als bewusstseinsunabhängiges Objekt. 00:15:06
Die Wahrheit könnte in diesem Sinne für uns prinzipiell unerreichbar sein, da der Versuch, sie anzuwenden, sie gewissermaßen zerstört. 00:16:01
Die vier Schritte des Problems: 1. Wahrheit ist Übereinstimmung. 2. Feststellen von Wahrheit bedeutet Feststellen von Übereinstimmung. 3. Feststellen von Übereinstimmung setzt Zugriff auf den Gegenstand voraus. 4. Übereinstimmung sollte mit dem Gegenstand selbst bestehen, nicht mit dem Gegenstand, wie er sich unserem Zugriff präsentiert. 00:16:53
Angesichts dieser Probleme gibt es verschiedene Auswege: 00:17:46Ausweg 1: Skeptizismus. Man gibt den Wahrheitsbegriff gänzlich auf und behauptet, es gäbe keine Wahrheit im ernsthaften Sinne. 00:18:14
Diese Position ist historisch alt und scheint auch heute unter Intellektuellen verbreitet zu sein. 00:18:34
Ausweg 2: Ersetzung des Wahrheitsbegriffs. Man gibt den nicht-epistemischen Wahrheitsbegriff auf, da er als unrealisierbar gilt. 00:19:31
Stattdessen wird Wahrheit durch einen Begriff der optimalen Rechtfertigung ersetzt. Eine Aussage ist wahr, wenn sie optimal gerechtfertigt ist, d.h., wenn alle möglichen Anstrengungen zur Sicherung ihrer Richtigkeit unternommen wurden. 00:19:42
Dies führt zu einem epistemischen Wahrheitsbegriff, bei dem Wahrheit vom Wissenszustand abhängt. 00:20:13
Ein Beispiel hierfür ist die Konsenstheorie der Wahrheit (z.B. von Karl-Otto Apel), die besagt, ein Wahrheitsanspruch sei dann gerechtfertigt, wenn über ihn ein im Prinzip unbegrenzter vernünftiger Konsens hergestellt werden kann. 00:21:33
Die Praktikabilität dieses "im Prinzip unbegrenzten Konsenses" ist jedoch fragwürdig, da er alle vernünftigen Personen, auch zukünftige, einschließen müsste. 00:22:21
Ausweg 3: Unterscheidung von Wahrheitsdefinition und Wahrheitskriterien (Indikatoren). 00:23:39
Diese Strategie behält die Korrespondenztheorie als grundlegende Idee der Wahrheit bei, auch wenn sie nicht direkt anwendbar ist. 00:24:00
Man sucht stattdessen nach den besten menschenmöglichen Indikatoren für das Vorliegen von Wahrheit. 00:25:01
Diese Indikatoren (z.B. Beobachtung, Kohärenz mit anderen Aussagen, praktische Anwendbarkeit) leiten unsere begründeten Annahmen über das Vorliegen von Wahrheit an, können sie aber nicht garantieren. 00:26:18
Dies ist ein pragmatischer Ansatz, der in den Wissenschaften häufig angewendet wird. 00:27:24
Er ermöglicht es, die ursprüngliche Idee der Wahrheit als Übereinstimmung beizubehalten, sie aber für die Praxis handhabbar zu machen. 00:28:32
Der Dozent überspringt die Kapitel über Objektivität und Intersubjektivität aus Zeitgründen. 00:29:39
Neues Thema: Genese versus Geltung. 00:30:17
Diese Unterscheidung ist ein zentraler Punkt der Erkenntnistheorie und taucht in der Philosophiegeschichte unter verschiedenen Namen auf. 00:30:21
Bekannte Bezeichnungen sind quid iuris (was rechtens ist, bezieht sich auf Geltung) und quid facti (was tatsächlich ist, bezieht sich auf Genese). 00:30:45
Im Deutschen spricht man vom Entdeckungszusammenhang versus Rechtfertigungszusammenhang, im Englischen vom "context of discovery" versus "context of justification". 00:31:11
Diese Unterscheidung wurde im 20. Jahrhundert in der Wissenschaftsphilosophie von Popper und Reichenbach eingeführt. 00:31:29Genese bezieht sich auf die konkreten Umstände (historisch, sozial, ökonomisch, psychologisch) der Entstehung einer Erkenntnis. 00:31:52Geltung bezieht sich auf die Gründe, die einen Erkenntnisanspruch rechtfertigen. 00:32:14
Beispiel: Die Entdeckung der Benzolringstruktur durch Kekulé im Halbschlaf (Genese) ist irrelevant für die Rechtfertigung der Ringstruktur durch Experimente (Geltung). 00:32:58
Die Entdeckungszusammenhänge sind irrelevant für die Rechtfertigung eines Wissensanspruchs. 00:35:21
Reichenbach führte diese Unterscheidung 1938 mit einer politischen Dimension ein, um der "Deutschen Physik" entgegenzuwirken, die die Relativitätstheorie Einsteins aufgrund seiner jüdischen Herkunft als "jüdische Physik" diskreditierte. 00:36:15
Diese Unterscheidung ist wichtig, um zu vermeiden, dass Behauptungen aufgrund der psychologischen oder sozialen Umstände ihrer Entstehung diskreditiert werden, anstatt sich mit ihrem Inhalt und ihrer Rechtfertigung auseinanderzusetzen. 00:38:05
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Fragen
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- Inwiefern ist die Trennung von Wahrheitsdefinition und metaphysischem Realismus für die Korrespondenztheorie entscheidend? [00:06:50](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=410.2)
- Gibt es philosophische Ansätze, die eine kohärente Definition von "Übereinstimmung" zwischen Denken und Sache bieten? [00:10:11](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=611.5)
- Wie würden Vertreter der Korrespondenztheorie das Problem der Existenzaussagen (z.B. "Einhörner gibt es nicht") lösen? [00:11:51](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=711.4)
- Welche konkreten philosophischen Positionen versuchen, das Zugriffsproblem zu umgehen oder zu lösen, ohne die Korrespondenztheorie gänzlich aufzugeben? [00:17:46](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1066.1)
- Welche weiteren "deflationären" Wahrheitstheorien gibt es, die nicht im Detail besprochen wurden? [00:29:15](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1755.3)
- Wie wird die Unterscheidung zwischen Genese und Geltung in der modernen Wissenschaftstheorie über Popper und Reichenbach hinaus diskutiert? [00:31:29](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=1889.1)
- Können die Entdeckungszusammenhänge unter bestimmten Umständen doch eine Relevanz für die Geltung haben (z.B. bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit einer Quelle)? [00:39:24](https://youtubetotranscript.com/transcript?v=pZdzwUNiAx8&t=2364.9)
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Zusammenfassung
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Die Vorlesung beginnt mit einer Rekapitulation der Korrespondenztheorie der Wahrheit, die Wahrheit als die nicht-epistemische Übereinstimmung von Denken und Sache definiert. Anschließend werden vier zentrale Probleme dieser Theorie detailliert erörtert: die Schwierigkeit, die "Relata" (Denken und Sache) zu definieren, die Unklarheit des Begriffs "Übereinstimmung" bei heterogenen Entitäten, die Herausforderung bei der Anwendung auf Existenzaussagen und insbesondere das "Zugriffsproblem", das die Überprüfbarkeit der Korrespondenz prinzipiell in Frage stellt. Als mögliche Auswege werden der Skeptizismus, die Ersetzung des Wahrheitsbegriffs durch optimale Rechtfertigung (inklusive der Konsenstheorie) und die pragmatische Unterscheidung zwischen Wahrheitsdefinition und Wahrheitsindikatoren vorgestellt. Abschließend wird die wichtige erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Genese (Entdeckungszusammenhang) und Geltung (Rechtfertigungszusammenhang) eingeführt. Anhand des Beispiels von Kekulés Benzolring und der politischen Dimension der "Deutschen Physik" wird verdeutlicht, warum die Entstehungsgeschichte einer Erkenntnis irrelevant für ihre Rechtfertigung ist und warum diese Trennung von großer Bedeutung ist.